PASTORIN ANTJE DONKER

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Sie sind Pastorin für Verstreute Reformierte???

Drei Fragen an Antje Donker, die im Mai 2003 in Nienburg in ihre Pfarrstelle eingeführt wurde. Die Fragen stellte Frank-Peter Schultz, Pastor der Evangelisch-lutherischen Kreuzkirchengemeinde in Nienburg.

Schultz : Welche Aufgabe haben Sie als Pastorin für Verstreute Reformierte?

Donker : Als Pastorin für Verstreute Reformierte bin ich Pastorin der Evangelisch-reformierten Kirche. Ich betreue die reformierten – also calvinistisch geprägten – Protestanten in den Landkreisen Nienburg und Verden. Vielleicht ist es ist es Ihnen nie aufgefallen, aber nicht alle Evangelischen sind lutherischer Prägung. Es gibt ganze Landstriche in Deutschland, die sind noch heute flächendeckend evangelisch-reformiert, zum Beispiel in Ostfriesland, in der Grafschaft Bentheim oder denken Sie auch an das Rheinland oder das Lipper Land.
Auch wenn die Nienburger Gegend überwiegend lutherisch ist, leben hier immerhin knapp 200 Reformierte, im Landkreis Verden sind es ungefähr 300. Das sind mehr als man vermutet, aber natürlich sind wir hier eine Minderheit. Daher erklärt sich auch der etwas altertümlich klingende Name ‚Pastorin für Verstreute Reformierte’. Wir leben hier in der ‚Verstreutheit’. Gelegentlich werde ich gefragt, ob wir eine Freikirche oder Sekte sind. Nein, wir sind eine ganz normale Landeskirche (übrigens mit Sitz in Leer/Ostfriesland) wie die Ev.-lutherische Landeskirche – nur eben etwas kleiner.

Schultz : Worin unterscheidet sich Ihre Arbeit von der Arbeit einer ‚normalen’ Gemeindepfarrerin?

Donker : Vor allem sicherlich dadurch, dass ich keine ‚eigene’ Kirche habe. Wir leben hier in enger Gemeinschaft mit den anderen Konfessionen. Die lutherische Kreuzkirche räumt den Reformierten schon seit vielen Jahren ein großzügiges Gastrecht ein – für Gottesdienste und andere Veranstaltungen.  Inzwischen sind wir auch regelmäßig mit Gottesdiensten und Veranstaltungen in der evangelisch-lutherischen St. Andreas-Kirche in Verden gern gesehene Gäste. Das ist für uns nicht nur eine große Hilfe (für die wir sehr dankbar sind!), sondern ein Stück gelebter Ökumene.

Schultz : Welche Unterschiede sehen Sie zur evangelisch-lutherischen Kirche?

Donker : Vielleicht erinnern Sie sich, dass es in der Reformationszeit die Diskussion um das Abendmahl war, die ein Zusammenwachsen der Anhänger Luthers und den Calvinisten verhinderte. Inzwischen haben wir eine volle Abendmahlsgemeinschaft. Unterschiede sehe ich vor allem in der Organisation der Kirche und sicher auch in der Gestaltung des Gottesdienstes. Die evangelisch-reformierten Gemeinden haben ein deutlich höheres Maß an Selbständigkeit als die lutherischen Schwestern. So wählt  jede Gemeinde ihren Pastor oder ihre Pastorin (nicht nur der Kirchenvorstand, sondern jedes Kirchenmitglied!). Entscheidungen für die Gemeinde trifft die Gemeinde selbst – nur was sie selbst nicht erledigen kann, wird an die nächst höhere Instanz (Synodalverband) oder die Landeskirche (Gesamtsynode) delegiert.

Bekannt ist die Evangelisch-reformierte Kirche für die Schlichtheit ihrer Gottesdienste und ihrer Kirchengebäude. Da wir in den Landkreisen Nienburg und Verden in lutherischen Kirchen zu Gast sind, bestimmen wir hier natürlich nicht die Einrichtung der Gebäude. Aber beide Kirchen sind innen sehr schlicht gehalten. Das kommt unseren Grundsätzen sehr entgegen.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht die Predigt. Sie ist eingebettet in einen – aus lutherischer Sicht – sehr schlichten liturgischen Rahmen. Wir kennen z.B. keine Wechselgesänge. Insgesamt könnte man sagen: Reformiert-Sein heißt für mich: Evangelisch-sein ‚ohne Gedöns’.